Embryo zu Gast bei Fela Kuti

Der nigerianische Superstar Fela Kuti wurde am 15.Oktober 1938 in Abeokuta geboren und war der viertgeborene Sohn eines Pastors und leidenschaftlichen Pianisten. Seine Mutter war die Menschenrechtsaktivistin und Frauenrechtlerin Funmilayo Ransome-Kuti. Als Erfinder des Afrobeats mit einzigartigen Jazz-und Funkelementen erreicht seine Musik bis heute ein Millionenpublikum. Kuti spielte unter anderem Saxophon und Trompete und sang regimekritische Texte, die dem nigerianischen Militärstaat nicht gefielen. Er wurde mehrfach verhaftet, kam aber immer wieder auf freiem Fuß. Bei einer Razzia wurde seine Mutter aus dem Fenster gestoßen und verstarb Monate später an den Folgen ihrer Verletzungen. Sie hatte einen Schädelbasisbruch erlitten. Fela Kuti starb am 02.August 1997 an Aids. Eine Million Menschen in Lagos begleiteten sein Begräbnis. Musikgrößen wie Paul McCartney oder Stevie Wonder besuchten ihn in seinem Schrein in Lagos. Embryo war 1986 zu Gast bei ihm. Kurz zuvor hatte er noch in Haft gesessen.

"Michael Wehmeyer, Fela Kuti, Christian Burchard, Dieter Serfas"
Von links nach rechts: Michael Wehmeyer, Fela Kuti, Christian Burchard und Dieter Serfas 1986 im Schrein von Fela Kuti / Bildquelle: Embryo

Fela Kuti ging 1958 nach London. Dem Wunsch seiner Eltern, dort Medizin zu studieren, kam er nicht nach. Stattdessen studierte er an der Trinity College of Music Klavier, Musiktheorie und Komposition. 1962 kehrte er nach Nigeria zurück. Weil er mit seiner neuformierten Jazz-Band Koola Lobitos viel tourte, wurde er als Praktikant bei einem Radiosender entlassen. Durch einen zehnmonatigen Aufenthalt in den USA 1969 lernte er unter anderem Miles Davies und James Brown kennen. Hier wurde er stark von dem Engagement der schwarzen Bürgerrechtsbewegung beeinflusst, besonders von der militanten Unterströmung der Black Panther. Es war die Geburtsstunde des Afro-Beat, deren jazzige-funkige Musik Kuti fortan mit regimekritischen Texten aufführte. Nigeria erlebte seit 1966 eine Destabilisierung durch mehrere Militärputsche, und die Korruption war Alltag. Westliche Ölgiganten wie Shell nutzten diese Situation aus, ein Grund, warum Kuti der Meinung war, dass dem Westen nicht zu trauen sei. Kuti hatte insgesamt 28 Frauen. Standesamtlich war er allerdings nur mit Remi Taylor verheiratet, während die 27 Tänzerinnen, die in seiner Band spielten, freiwillig bei ihm waren. Mit ihnen zeugte er insgesamt 99 Kinder. An Monogamie glaubte er nicht.

Embryo war auch im Jahr 1987 in Nigeria – Bildquelle: Embryo

Kuti war Angehöriger des Stammes der Yoruba. Er lehnte die Einnahme westlicher Medizin ab und soll beim Besuch von Paul MacCartney 1973 gesagt haben: „Will der unsere Musik klauen?“Cartney nahm in Lagos damals sein drittes Studioalbum Band on the Run auf. Wie kritisch er gegenüber Einmischungen und Einflüssen aus dem Westen war, zeigte er auch der Militärjunta gegenüber. Er sprach in seinen Liedern und Texten („Zombie“) frei aus, was viele im Land fühlten, nämlich, dass sie in einem bestechlichen und korrupten Staat leben. Dafür wurde er immer wieder in Haft gesteckt. Selbst als seine Mutter 1978 von Soldaten bei einer Razzia aus dem Fenster geschmissen wurde und an den Folgen der Verletzung starb, verstummte er nicht. In seiner selbst ausgerufenen Kalakuta Republik sah das Regime einen unangenehmen Zeitgeist, Störenfried und Kriminellen, den man zur Räson bringen musste. Als junger Diplomat besuchte der heute französische Staatspräsident Emmanuel Macron den Schrein Kutis im Jahr 2002 und am 03.Juli 2018 stand er mit dem Sohn Felas Femi Kuti auf der Bühne. Eine posthume Ehrung, die dem widerspenstigen Musiker und Bürgerrechtler heute widerfährt. Femi Kuti, der den Schrein seines Vaters heute in Lagos weiterführt, ist selbst Musiker und war gestern sogar live in Berlin im Haus der Kulturen zu sehen.

Bildquellen

  • Embryo bei Fela Kuti in Nigeria: Embryo

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